Stellungnahmen der NaturFreunde Düsseldorf
| März 2011 | Fukushima mahnt: Alle AKW abschalten |
| Januar 2011 | NaturFreunde Düsseldorf engagieren sich für Aaper Wald |
| Dezember 2010 | Wir haben es satt! |
| September 2010 | Sinnvoller Ausbau des Regionalverkehrs statt Prestigeobjekte |
| März 2010 | Raus aus der Atomkraft, rein in eine gute Zukunft |
| Dezember 2009 | Mehr Klimaschutz - auch im Verkehr |
| November 2009 | Kopenhagen: Notwendig ist eine ökologische Revolution |
| Dezember 2008 | NaturFreunde Düsseldorf begrüßen Entscheidung der Ratsfraktionen gegen Kohlekraftwerk auf der Lausward |
| Mai 2008 | NaturFreunde fordern Moratorium für Agrosprit |
| Ältere Stellungnahmen (bis 2007) |
Stellungnahme vom März 2011
Fukushima mahnt: Alle AKW abschalten
Fukushima ist nicht überall, aber schon morgen kann es überall zu einem GAU kommen. Der 11. März 2011 hat erneut gezeigt, dass die Nutzung der Nukleartechnologie ein Krieg gegen die Zukunft ist. Die Tragödie in Japan zeigt, dass selbst Hochtechnologieländer die Hochrisikotechnologie Atomkraft nicht beherrschen.
Wer nicht für ein schnellstmögliches Ende der Atomkraft plädiert, hat nicht verstanden, dass diese Technologie aufgrund ihres Schadensumfangs unverantwortbar ist. Sie setzt das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel, macht die Bewohnbarkeit ganzer Landstriche für Jahrhunderte unmöglich und schädigte die natürlichen Lebensgrundlagen über Jahrtausende.
Es reicht nicht, in Deutschland ein paar Schrottreaktoren für drei Monate vom Netz zu nehmen. ABSCHALTEN ist das Gebot der Stunde. Die acht unsichersten AKWs sofort und dann alle zwei Monate einen Atommeiler.
Alle Argumente, die von den Lobbyisten für die Atomenergie vorgebracht werden, sind falsch:
Deutschland hat die sichersten
Atomkraftwerke der Welt behauptet die Bundeskanzlerin noch immer im
Bundestag. Woher weiß sie das? Von ihren Freunden bei E.ON, RWE, EnBW
oder Vattenfall? Hat ihr das Stefan Mappus geflüstert, der sich bei EnBW
zugleich als Atomkonzernchef versucht und die Atomaufsicht über das eigene
Unternehmen wahrnimmt?
Hat nicht auch der japanische Premier noch bis letzte Woche behauptet, Japan betreibe die sichersten Atomkraftwerke der Welt? Tatsächlich gibt es nicht nur in der Rhetorik bemerkenswerte Parallelen zwischen deutschen und japanischen Atomkraftwerken. Wir müssen diesen Wahnsinn generell beenden. Dafür treten die NaturFreunde als eine internationalistische Organisation ein.
In Frankreich steht das AKW Fessenheim in einem Erdbebengebiet, Siemens bemüht sich um einen Auftrag der Türkei, in dortigen Erdbebengebieten neue Atomkraftwerke zu errichten. In Bulgarien steht das AKW Belene in einer seismisch aktiven Region. Atomunfälle sind von Tricastin über Krümmel bis Sellafield auch in Europa die Regel, wenn auch bisher nicht mit einer Kernschmelze. Wollen wir tatsächlich warten, bis es zu einer solchen Katastrophe kommt? Lernen wir immer erst, wenn es zu spät ist?
Doch nicht nur bei Unfällen, auch im Regelbetrieb sind deutsche Atommeiler eine Gefahr für die Menschen: Verschiedene Studien, selbst Studien im Auftrag der Bundesregierung belegen, dass Männer, Frauen und Kinder in der Nähe von AKWs überdurchschnittlich häufig an Krebs erkranken und auch sterben. Verantwortlich Handeln heißt: Abschalten!
Europa hat sich im EURATOM-Vertrag der Regierungen zur Förderung der Atomkraft verpflichtet. Die Bürgerinnen und Bürger sind nicht gefragt worden. Das wollen wir ändern.
Die NaturFreunde fordern statt des EURATOM-Vertrages ein europäisches Konzept zur Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien und zum Ausstieg aus der Atomtechnologie. Dazu wäre eine europäische Volksinitiative ein erster Schritt. Denn es ist klar, dass wir es mit knallharten Profitinteressen im Machtkartell der Atomkonzerne zu tun haben. Dagegen setzen wir eine starke Bewegung.
Kein Regierungsbesuch im Ausland findet statt, ohne dass Merkel oder Sarkozy nicht auch die Atomlobbyisten mit im Flugzeug hätten. In Deutschlands Atomaufsicht wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Gerald Hennenhöfer, der für die Atomkonzerne über den schrittweisen Atomausstieg mit der Regierung Schröder verhandelt hat, ist heute der höchste Beamte für Reaktorsicherheit bei Bundesminister Röttgen.
Will Siemens Atomtechnologie nach Brasilien liefern, dann verschafft dem deutschen Konzern die schwarz-gelbe Bundesregierung prompt eine Exportbürgschaft. Die Durchsetzung der Politik mit Atomlobbyisten muss ein Ende haben. Die NaturFreunde fordern ein Exportverbot für Atomtechnologie und eine Ächtung der Atomtechnologie in der deutschen Verfassung nach dem Vorbild Österreichs.
Der Exportweltmeister Deutschland macht auch beim Strom
seinem Ruf alle Ehre: Allein in 2010 wurden so viel Strom exportiert, wie die
acht ältesten Atomkraftwerke produzieren. Sogar Regierungsstudien belegen,
dass bei einem mindestens gleichbleibenden Ausbau der erneuerbaren Energien,
einer steigenden Energieeffizienz sowie intelligentem Energiesparen bis
spätestens 2015 Atomkraft in Deutschland verzichtbar ist.
Angela Merkels Moratorium ist mehr der baden-württembergischen Landtagswahl gewidmet denn einer Umkehr in der Atompolitik. Der demokratische Druck auf die Regierung muss verstärkt werden.
Deshalb rufen die NaturFreunde zusammen mit vielen Bündnispartnern zu Massenkundgebungen unter dem Motto ABSCHALTEN am 26.03.2011 in Berlin, Hamburg, Köln, München und weiteren Städten auf.
Der Respekt vor den Opfern in Japan verlangt jetzt von uns, keine Ruhe mehr zu geben.
(Beschluss des 28. Bundeskongresses der NaturFreunde Deutschlands vom 18.-20.03.2011 in Hannover)
Von Düsseldorf aus organisiert das Anti-Castor-Bündnis eine gemeinsame Anreise am 26.03. nach Köln.
Treffpunkt ist um 9.30 Uhr am UFA Kino (Düsseldorf Hbf), wir fahren dann gemeinsam um 9.58 Uhr mit dem RE nach Köln.
Um 11.00 Uhr gibt es zwei Auftaktkundgebungen am Neumarkt (für die Leute aus Köln) und am Ottoplatz/Deutzer Bahnhof (für die mit Zug oder Bus anreisenden), anschließend ziehen die beiden Demonstrationszüge zur gemeinsamen Abschlusskundgebung um 14.00 Uhr an der Deutzer Werft.
Weitere Infos zum Ablauf in Köln gibt es auf der Internetseite "Anti-Atom-Demo".
Stellungnahme vom Januar 2011
NaturFreunde Düsseldorf engagieren sich für Aaper Wald
Der drohende Verlust des ehemaligen
Truppenübungsplatzes Aaper Wald als Naherholungsgebiet beunruhigt viele
Düsseldorferinnen und Düsseldorfer. Auch die NaturFreunde
Düsseldorf fürchten um ein attraktives Gebiet für ihre
Wanderungen, wenn das Gelände, wie zur Zeit zu befürchten steht, an
einen privaten Investor verkauft wird.
Aus diesem Grund haben die NaturFreunde Düsseldorf an den Bundesminister der Verteidigung, Herrn Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, und an den Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Herrn Dirk Elbers, geschrieben und sie um ihre Unterstützung gebeten, dass das Gelände zu einem akzeptablen Preis von der Stadt Düsseldorf erworben wird.
Nur so ist aus Sicht der NaturFreunde
dauerhaft zu gewährleisten, dass das Areal am Aaper Wald den
Bürgerinnen und Bürgern als Naherholungsgebiet zur Verfügung
steht. "Alleine durch planungsrechtliche Vorgaben wird eine Aussperrung der
Bevölkerung nicht zu verhindern sein, solange die Nutzung mit dem Status
eines Landschaftsschutzgebiets vereinbar ist", schätzt der 1. Vorsitzende
Matthias Möller die Situation ein.
Die Stadt Düsseldorf befindet sich glücklicherweise in einer finanziell guten Lage, die es ihr ermöglicht, durch sinnvolle Investitionen die Stadt attraktiv für alle zu machen. "Nutzen Sie also die Möglichkeit und investieren Sie in die Naherholungsmöglichkeit Ihrer Bürgerinnen und Bürger" fordern die NaturFreunde daher den Oberbürgermeister auf.
Die NaturFreunde Düsseldorf fordern alle Bürgerinnen und Bürger Düsseldorfs auf, mit einer Unterschrift ein Bürgerbegehren für den weiteren öffentlichen Zugang des Truppenübungsplatzes zu unterstützen und auch weitere Unterschriften zu sammeln. Aus formalrechtlichen Gründen dürfen nur Düsseldorferinnen und Düsseldorfer diese Liste unterschreiben. Ebenfalls sind die bisher gesammelten Unterschriften auf der Liste, die sich bis zum 12.02. hier befand, aus formalrechtlichen Gründen nicht für das Bürgerbegehren zulässig. Also auch, wer in den letzten Wochen und Monaten bereits für den weiteren freien Zugang zum Gelände unterschrieben hat: bitte unterstützt jetzt diesen Aufruf durch eure Unterschrift!
Hier die Briefe an den Bundesverteidigungsminister und den Oberbürgermeister im Wortlaut:
| Sehr geehrter Herr Minister, wir möchten uns mit einem Anliegen an Sie wenden, das viele Bürgerinnen und Bürger vor allem im Osten Düsseldorfs betrifft. Zwischen den Düsseldorfer Stadtteilen Knittkuhl, Ludenberg und Hubbelrath befindet sich ein etwa 200 Hektar großes Gelände, das von der Bundeswehr als Standortübungsplatz benutzt wurde. Dieses als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Gelände wird in den letzten Jahren zur Weidewirtschaft durch Schafe genutzt, vorrangig dient es aber den Bürgerinnen und Bürgern Düsseldorfs als attraktives Naherholungsgebiet. Es wird von Segel- und Modellfliegern, Laufgruppen, Nordic Walkern, Reitern und Spaziergängern mit und ohne Hunden im Sommer wie im Winter intensiv genutzt. Auch für Wandergruppen, wie sie zum Beispiel die NaturFreunde anbieten, ist dieses Areal ein lohnenswertes Ziel, bietet es doch eine abwechslungsreiche, hügelige Landschaft und manches Sehenswerte am Wegesrand. Nun steht dieses Gebiet zum Verkauf an, in Düsseldorf wird von 12,6 Millionen Euro gesprochen, die die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Kaufpreis genannt hat. Auch wenn die Stadt Düsseldorf noch zu den vergleichsweise wohlhabenden Kommunen zählt, so zögert sie angesichts dieser Summe bisher, so dass der Verkauf an einen privaten Investor droht. Die befürchteten Folgen: das bisherige Nutzungsrecht durch die Bevölkerung wird aufgehoben, hohe Zäune sperren die Bürgerinnen und Bürger aus ihrem bisherigen Wander- und Spazierareal aus. Ein wichtiges Naherholungsgebiet in unserer dicht besiedelten Region würde der Öffentlichkeit verloren gehen und nur noch einer privaten Nutzung zugeführt werden. Wir bitten Sie daher, Ihren Einfluss geltend zu machen, dass der ehemalige Standortübungsplatz zu einem akzeptablen Preis an die Stadt Düsseldorf verkauft werden kann, damit das Areal auch weiterhin den Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürgern für ihre Freizeitgestaltung zur Verfügung steht. Helfen Sie mit, dass die Dividende aus dem Ende des kalten Krieges und der Verkleinerung der Bundeswehr der ganzen Bevölkerung zu gute kommt und nicht nur einem privaten Investor. Mit freundlichen Grüßen |
| Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wir, die NaturFreunde Düsseldorf, sind wie viele Bürgerinnen und Bürger vor allem im Osten Düsseldorfs besorgt wegen des anstehenden Verkaufs des Truppenübungsgeländes Aaper Wald. Wenn dieses Gelände tatsächlich - wie von vielen befürchtet wird - an einen privaten Investor verkauft werden wird, geht der Bevölkerung Düsseldorfs ein wichtiges Naherholungsgebiet verloren. Einzäunungen könnten die Bürgerinnen und Bürger aussperren, und die Stadt Düsseldorf hätte wahrscheinlich wenig rechtliche Möglichkeiten, dies zu verhindern, solange die Nutzung des Geländes mit dem Status des Landschaftsschutzgebietes vereinbar ist. Segel- und Modellflieger, Laufgruppen, Nordic Walker, Reiter und Spaziergänger mit und ohne Hunden verlören ein wertvolles Areal für ihre Freizeitgestaltung. Auch für Wandergruppen, wie sie zum Beispiel die NaturFreunde anbieten, ist dieses Gelände bisher ein lohnenswertes Ziel, bietet es doch eine abwechslungsreiche, hügelige Landschaft und manches Sehenswerte am Wegesrand. Wir appellieren daher an Sie, das der Stadt Düsseldorf offenbar zustehende Vorkaufsrecht zu nutzen und so das attraktive Nahherholungsgebiet auch weiterhin für die gesamte Bevölkerung Düsseldorfs zugänglich zu machen. Nur wenn das Gelände auch weiterhin in öffentlicher Hand bleibt, kann es aus unserer Sicht auch dauerhaft für die Bürgerinnen und Bürger gesichert werden, alleine durch planungsrechtliche Vorgaben wird dies nicht möglich sein. Die Stadt Düsseldorf befindet sich glücklicherweise in einer finanziell guten Lage, die es ihr ermöglicht, in die Lebensqualität der Einwohnerinnen und Einwohner investieren zu können und so die Stadt attraktiv für alle zu machen. Hierzu gehören aber eben nicht nur neue Wohngebiete, Hotels und Geschäftsgebäude oder Verkehrsinfrastrukturprojekte, sondern auch stadtnahe Erholungsflächen im Grünen. Nutzen Sie also die Möglichkeit und investieren Sie in die Naherholungsmöglichkeit Ihrer Bürgerinnen und Bürger. Mit freundlichen Grüßen |
Stellungnahme vom Dezember 2010
NaturFreunde Düsseldorf unterstützen Aufruf zur Demonstration am 22. Januar 2011 in Berlin
Die NaturFreunde Düsseldorf unterstützen - wie auch die Bundesgruppe der NaturFreunde Deutschlands und viele andere Umwelt- und Verbraucherschutzorganisatioen - den Aufruf zur Demonstration "Wir haben es satt!" am 22. Januar 2011 in Berlin. Diese Demonstration beginnt um 12.00 Uhr am Washingtonplatz (vor dem Hauptbahnhof) und endet mit einer Abschlusskundgebung und Rock for Nature am Brandenburger Tor.
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Während der Messe Grüne Woche in Berlin treffen sich am 22. Januar 2011 Landwirtschaftsminister aus aller Welt und internationale Agrarkonzerne auf Einladung der Bundesregierung. Das Ziel von Monsanto, Müller Milch, BASF und Co.: die Industrialisierung der Landwirtschaft voran zu treiben. Das heißt: Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporte. Die Agrarkonzerne wollen für Gen-Saat, Agro-Chemie und Industrie-Food grenzenlose Märkte und weitere Milliarden-Subventionen. Sie wollen Agrarfabriken statt Bauernhöfe - überall. Dies alles unter dem Deckmantel den Welthunger und den Klimawandel zu bekämpfen. Unterstützt werden sie dabei von Kanzlerin Merkel und ihrer Bundesregierung.
Diese Agrarpolitik haben wir satt!
Nein zur Landwirtschaftspolitik von EU und Bundesregierung!
Wir wollen:
Wir fordern von Merkel, Aigner und Barroso, von
Berlin und Brüssel:
Wir fordern eine neue, gerechte Agrarpolitik - in Deutschland und Europa!
Politik über unsere Köpfe hinweg war gestern.
Jetzt entscheiden wir über unser Essen.
Ja zu bäuerlich ökologischer Landwirtschaft weltweit!
Stellungnahme vom September 2010
Sinnvoller Ausbau des Regionalverkehrs statt Prestigeobjekte
Naturfreunde Düsseldorf gegen Stuttgart 21 und für einen Ausbau des Bahn-Regionalverkehrs
Erst 2,5 Milliarden Euro,
jetzt 4 Milliarden Euro, am Ende vielleicht sogar 7 oder 8 Milliarden Euro -
das Projekt Stuttgart 21 mit dem unterirdischen Durchgangsbahnhof statt des
derzeitigen Kopfbahnhofs - sowie die damit verbundene Neubaustrecke auf der Alb
zwischen Wendlingen und Ulm - mit 2 Milliarden Euro kalkuliert, wahrscheinlich
aber mit Kosten von bis zu 5 Milliarden Euro - wird immer teurer. Die
finanzielle Dimension dieses Projekts wird erst richtig deutlich, wenn man
weiß, dass der Bund jährlich nur etwa 1,1 Milliarden Euro für
Investitionen in den Schienenausbau in ganz Deutschland bereitstellt. Damit
blockiert Stuttgart 21 öffentliche Gelder, die an anderer Stelle viel
sinnvoller in die Verbesserung des Bahn-Regionalverkehrs gesteckt werden
könnten.
Der Sinn dieses Megaprojekts hingegen ist eher zweifelhaft:
Einer angestrebte Reisezeitverkürzung zwischen Stuttgart und Ulm um 26 Minuten, die die Neubaustrecke auf der Alb bringen soll, stehen erhebliche Verschlechterungen im regionalen Verkehr gegenüber: Anschlüsse passen nicht mehr, Umsteigewege werden weiter. Ganz zu schweigen davon, dass sich Verspätungen bei nur noch 6 Gleisen und kurzen Haltezeiten in Windeseile durch sämtliche Zugverbindungen durchziehen werden. Für den Güterverkehr verschlechtert sich die Situation noch mehr, denn die geplanten größeren Steigungen als bisher sind für schwere Güterzüge schlicht nicht zu bewältigen.
Auch die Aufenthaltsqualität am Bahnhof, für viele ein wichtiges Argument bei der Wahl der Verkehrsmittel, ist eher bescheiden: ohne permanente künstliche Beleuchtung werden trotz der geplanten großen Fenster die Bahnsteige eher düster und erdrückend sein. Laut wird es sein, weil die niedrige Decke alle Zuggeräusche mehrfach reflektiert, und der Bahnhof wird nach den Bremsbelägen der Züge, die von 250 km/h herunterbremsen müssen, stinken. Für Rad- oder Rollstuhlfahrer tun sich mit den Rolltreppen und Aufzügen sowie den engen Bahnsteigen viel größere Hindernisse auf als beim ebenerdigen Kopfbahnhof.
Nicht zu vergessen auch die ökologischen Folgen sowie die Risiken des Projekts: Etwa 20 Hektar des Schlossparks werden durch die oberirdischen Bauteile des Bahnhofs und die geplante Niveauangleichung der Oberfläche umgebaut und teilweise zerstört werden, 280 Bäume müssen gefällt werden. 8 Millionen Kubikmeter Abraum müssen zunächst per LKW abtransportiert werden, die tägliche Abraummenge entspricht 10 Güterzügen.
Der an der Konzeption des neuen Hauptbahnhofs beteiligte und im Januar 2009 aus dem Projekt ausgeschiedene Architekt Frei Otto weist auf geologische Probleme mit dem Projekt hin. So wurden bei Probebohrungen vielfach Anhydrid führende Schichten gefunden, die in Kontakt mit Wasser zu Gips aufquellen und erhebliche Schäden und Aufwendungen zur Folge haben könnten. Ein von der Deutschen Bahn in Auftrag gegebenes geologisches Gutachten von 2003 stuft den Stuttgarter Untergrund als "gefährlich" ein. Er sei voller Dolinen und Hohlräume.
Die NaturFreunde Düsseldorf fordern deshalb:
Abkehr der Bahn vom
Hochgeschwindigkeitswahn: immer schnellere Züge, die aber fast nirgendwo
mehr halten, nützen keinem. Die Konkurrenz der Bahn ist nicht das
Flugzeug, sondern das Auto. Nur mit flexiblen Verkehrsverbindungen und guten
Umsteigemöglichkeiten wird es gelingen, die Bürger vom Auto auf die
Bahn umsteigen zu lassen. Stellungnahme vom März 2010
Raus aus der Atomkraft, rein in eine gute Zukunft
Die Energiepolitik steht heute im Zentrum politischer Auseinandersetzungen. Es geht um altes oder neues Denken.
Angesichts der Verknappung der fossilen Brennstoffe, der Risiken der Atomkraft und der Belastungen für Natur und Klima sind fossile und nukleare Energien nicht zukunftsfähig. Wichtiger denn je ist der schnelle Umbau hin zu Einsparen, Effizienz und erneuerbaren Energien.
Aber er trifft auf den massiven Widerstand der großen
Energiekonzerne und der Wirtschaftsverbände, auf ein altes Wachstumsdenken
und die politischen Ziele der schwarz-gelben Bundesregierung, die Laufzeit von
Atomkraftwerken zu verlängern und neue fossile Kondensationskraftwerke zu
bauen.
Die heutige Energiepolitik führt in eine Sackgasse. Denn statt auf die Zukunft zu setzen und den Ausbau von Effizienztechniken und erneuerbaren Energien zu beschleunigen, macht sie sich zum Handlanger der Atomindustrie. Allein die Diskussion über die Verlängerung der Atomkraft zeigt, wem sich die Träger der schwarz-gelben Koalition verbunden fühlen den großen Stromkonzernen und nicht der Mehrheit der Bevölkerung.
Mehr noch: Ihnen fehlt offenkundig die Voraussetzung, die Chancen zu erkennen, die ein Umbau bringt. Wer die Atomtechnologie zur Brückentechnologie machen will, hat überhaupt nicht verstanden, um was es geht. Die Brückentechnologie in eine solare Zukunft ist nämlich die Energieeffizienz.
Die NaturFreunde Deutschlands kritisieren die Pläne der Bundesregierung, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern. Die Altreaktoren Biblis A und Biblis B, Neckarwestheim und Brunsbüttel sind weit hinter dem aktuellen Sicherheitsstandard zurück. Sie weiter in Betrieb halten zu wollen, widerspricht fundamental dem Grundsatz Sicherheit zuerst.
Den Betreibern geht es nur um hohe Gewinne, nicht aber um eine verantwortungsbewusste Energiebereitstellung. Auch modernere Kraftwerke wie Krümmel stellen schon durch ihre unzureichende technische Auslegung ein hohes Risiko für die Bevölkerung dar und gehören schnellstmöglich abgeschaltet.
Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke schafft weder Versorgungssicherheit noch ist dies ein Beitrag zum Klimaschutz. Atomenergie stabilisiert die Verschwendungswirtschaft, weil sie sich nur bei einer möglichst hohen Auslastung rechnet und die Konkurrenzfähigkeit und den Einsatz von Alternativen erschwert.
Der Ausstieg aus der Atomkraft bleibt die entscheidende Voraussetzung für den Umbau der Energieversorgung. Sie muss künftig dezentral und vernetzbar, umweltverträglich und effizient sein. Die Atomkraft ist das nicht.
Schon heute können wir in Deutschland auf
Atomkraft leicht verzichten. In den letzten Jahren exportierte die
Bundesrepublik Strom, der einer Leistung von zwei Atomkraftwerken entsprach.
Zudem sind die Einspar- und Effizienzpotenziale längst nicht ausgenutzt.
Bis zum Jahr 2020 ist es möglich, den Anteil der erneuerbaren Energien am
Strom auf über 40 Prozent zu steigern, wenn er mit einer
Effizienzrevolution verbunden wird.
Das Potenzial durch einen Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung und von mehr Energieeffizienz liegt schon heute deutlich über der Atomkraft. Allein die in Deutschland zurzeit installierten Windkrafträder produzieren zeitweise schon mehr Strom als alle Atomkraftwerke in Deutschland zusammen.
Selbst das Bundeswirtschaftsministerium stellte in einem Bericht an die Europäische Union 2008 fest, dass es zu keiner Stromlücke in Deutschland kommen wird, wenn an dem Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 festgehalten wird. Die Behauptung von einer Stromlücke ohne Atomkraft bleibt, was es ist ein Märchen!
Auch das letzte Argument der Atomlobby, dass die Reaktoren das Klima schützen, ist falsch. Zum einen verursachen über die gesamte Prozesskette auch Atomkraftwerke CO2. Dabei hat Atomstrom eine schlechtere CO2-Bilanz als beispielsweise Windkraftanlagen oder dezentrale Blockheizkraftwerke. Zum anderen ist noch wichtiger, dass ein Energiesystem, das nicht auf die großen Kondensationskraftwerke aufbaut, ungleich effizienter ist und von daher schon weitaus mehr CO2 vermeidet.
Die NaturFreunde Deutschlands fordern, den Ausstieg aus der Atomkraft zu beschleunigen und diesen Technologiepfad endgültig zu beenden. Sie kritisieren die Bundesregierung, die Hermes- Bürgschaften für den Bau neuer Atomanlagen in Russland und China bereitstellt. Nicht den Kühltürmen der Reaktoren, sondern den Wind- und Solarparks gehört die Zukunft. Dies gilt weltweit. Auch deshalb darf es keine Exportbürgschaften für Atomreaktoren geben!
Eine moderne Energiepolitik und der Ausstieg aus der Atomenergie sind ohne massiven Druck auf die vier großen Energiekonzerne nicht möglich. Die Politik muss das Primat über die Wirtschaft wahrnehmen, auch gegen den Widerstand der konservativ geführten Atomländer Bayern, Baden- Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Deshalb fordern die NaturFreunde Deutschlands die Bundesregierung und die Landesregierungen auf:
Nur gemeinsam können wir ein starkes Zeichen gegen die Atomkraft setzen. Die Mehrheit will statt einer hochriskanten Technologie Alternativen, die schon heute verfügbar sind.
(Beschluss des Bundesausschuss der NaturFreunde Deutschlands am 20.03.2010)
Stellungnahme vom Dezember 2009
Mehr Klimaschutz - auch im Verkehr
Um die notwendigen Ziele im Klimaschutz zu erreichen, müssen auch Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehr ergriffen werden - gerade auch in Düsseldorf. Die NaturFreunde Düsseldorf schließen sich daher gemeinsam mit anderen Umweltverbänden wie dem BUND oder dem NABU (Liste aller unterstützenden Verbände) einer Erklärung der Verkehrsverbände ADFC, SUVD (Sozial- und umweltverträgliche Verkehrspolitik für Düsseldorf e.V., in dem auch die NaturFreunde Düsseldorf Mitglied sind) und VCD an:
Akute Klimabedrohung zwingt zum Kurswechsel: Weltweit und hier vor Ort!
Die täglichen Berichte zum Weltklimagipfel in Kopenhagen zeigen den Ernst der Weltenlage: Der Meeresspiegel steigt. Es drohen Extremwetterlagen mit Stürmen und Überschwemmungen, überhitzte Innenstädte und die Ausbreitung subtropischer Infektionskrankheiten. Erdöl wird knapp, Energiepreise steigen. Die Erderwärmung bedroht alle auch uns in Düsseldorf.
Vor diesem Hintergrund ist der Schutz des Klimas zu einem zentralen Thema auch in der Düsseldorfer Kommunalpolitik geworden. Je beherzter die notwendigen Schritte ins postfossile Zeitalter nun vor Ort angepackt werden, desto besser wird der Umstellungsprozess gelingen. Der Weg ist unbequem, da er tradierte Strukturen in Frage stellt und die Vernetzung getrennter Ressorts erfordert. Doch nur durch zügiges, integratives und innovatives Denken und Handeln sind die Probleme des Klimawandels nachhaltig zu lösen.
Der Verkehr darf kein blinder Fleck beim Düsseldorfer Klimaschutz mehr sein!
Düsseldorf will beim Klimaschutz
Vorreiter ein. Die Stadt hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2050 soll
der Kohlendioxidausstoß pro Kopf nur noch zwei Tonnen betragen zur
Zeit sind es zehn. Mit einem ambitionierten 30-Initiativen-Programm wurde ein
klares Bekenntnis zum Klimaschutz abgelegt.
Nur wird bei der Umsetzung die Bedeutung des Verkehrs übersehen. Das wichtige Thema Klima & Verkehr ist offenbar eine Tabuzone. Dies zeigt sich z.B. im Klimabericht 2009 des Umweltamtes, der sich im Kapitel Klimaschutz im Verkehr maßgeblich auf die Straßenbeleuchtung konzentriert. Im aktuellen Bericht des Amts für Verkehrsmanagement zur Verkehrsentwicklungsplanung kommt das Wort Klima gar nicht vor.
Der Verkehrsanteil an der CO2-Produktion beträgt rund ein Fünftel. Die Stadt Düsseldorf muss endlich wirksame Maßnahmen ergreifen, um den CO2-Ausstoß durch den Verkehr zu reduzieren und darf einen weiteren Anstieg des besonders problematischen motorisierten Individualverkehrs nicht einfach so hinnehmen.
Die
Lösung liegt in der konsequenten Stärkung von Bus, Bahn und Rad. Die
Förderung dieses Umweltverbundes und des Fußverkehrs täte dem
Klima gut und würde den Bürgerinnen und Bürgern dieser
Stadt mehr Lebensqualität und nicht zuletzt auch ökonomische Vorteile
bringen.
Die Düsseldorfer Verkehrsinitiativen appellieren gemeinsam mit vielen UnterstützerInnen an den Oberbürgermeister und den Rat der Stadt Düsseldorf, im Sinne eines wirksameren Klimaschutzes endlich auch im Bereich des Verkehrs einen Richtungsschwenk hin zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik zu vollziehen. Die Leitlinien in der Stadt- und Verkehrsplanung sollten unser Erachtens sein: Erhalt der Umwelt, weniger CO2-Ausstoß und mehr Gesundheitsschutz für die Bevölkerung.
Unsere Forderungen im Einzelnen:
Eine weitere 14%-ige Steigerung des Kfz-Aufkommens bis zum Jahr 2020 - wie es das Zielszenario des Ende 2006 verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplan für Düsseldorf vorsieht, ist in Zeiten des globalen Klimawandels nicht mehr hinnehmbar. Die tägliche Flut von 300.000 Pkw-Einpendlern muss gedrosselt und reguliert werden.
Wir fordern eine drastische Reduktion des CO2-Ausstoßes im Verkehr mit verbindlichen Ziel- und Zeitvorgaben.
Im Vordergrund einer neu auszurichtenden Verkehrspolitik sollten aktive Bemühungen um Klima- und Gesundheitsschutz stehen. Damit würde sich die Lebensqualität der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger spürbar erhöhen.
Stellungnahme vom November 2009
Kopenhagen: Notwendig ist eine ökologische Revolution
Auch Deutschland bleibt beim Klimaschutz deutlich hinter den Zielen zurück
Anlässlich der bevorstehenden
Welt-Klimakonferenz der UN in Kopenhagen blicken die NaturFreunde
Düsseldorf skeptisch auf die bisher gezeigten Fortschritte im Klimaschutz
und schließen sich den Analysen und Forderungen des Bundesvorsitzenden
der NaturFreunde Deutschlands, Michael Müller, an:
Seit dem vierten Sachstandsbericht des Weltklimarates, der gemeinsam vom Umweltbüro der UN und der Weltmeteorologie organisiert und 2007 von den 192 UN Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde, steht der Klimawandel weltweit an der Spitze der wichtigsten politischen Themen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Rede vor dem US-Kongress vor allem an die USA appelliert, mehr für den Klimaschutz zu tun. Das ist berechtigt, denn die USA haben in den letzten zwei Jahrzehnten (auch nicht unter Bill Clinton und Al Gore) wenig getan und müssten heute einen umso größeren Schritt machen. Deshalb will die amerikanische Administration zwar ein langfristiges Ziel festlegen, nicht aber konkrete Zwischenschritte. Sie wird ihrer Verantwortung noch immer nicht völlig gerecht, denn die innenpolitischen Widerstände sind gewaltig.
Dennoch: Auch Frau Merkel muss mehr Selbstkritik zeigen, denn Deutschland ist in den letzten 20 Jahren hinter den eigenen Zielen zurückgeblieben. Anfang der 90er Jahre war es noch möglich gewesen, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 ° C zu begrenzen. Heute wird das 2 °-Ziel als ehrgeiziges Ziel vorgegeben. Tatsächlich ist dies bereits eine Bankrotterklärung der Politik, zumal viele Wissenschaftler selbst das 2 °-Ziel kaum noch für erreichbar ansehen.
Doch schon zwei Grad Erwärmung hat für große Teile der Welt dramatische Folgen, zum Beispiel für den armen afrikanischen Kontinent eine Halbierung der Ernteerträge. Für die Alpenregion ist dabei eine Erwärmung um vier Grad zu erwarten, was zur Folge hätte, dass von den 661 schneesicheren Gebieten nur noch rund 200 übrig bleiben.
Der Widerspruch zwischen Wissen und Handeln ist unübersehbar:
Die 90er Jahre waren auch
für den Klimaschutz ein verlorenes Jahrzehnt, obwohl damals schon alle
Fakten bekannt waren. Nun droht erneut ein Rückschlag, denn vor allem die
FDP will den Klimaschutz zuerst nach ökonomischen Kriterien organisieren,
gleichsam den Instrumenten des Finanzkapitalismus unterordnen. Dazu
gehören die Optionenregelung beim EEG oder die totale Fixierung auf den
Emissionshandel.
Unsere Zeit braucht jedoch eine ökologische Revolution, aber es passiert viel zu wenig. Selbst wenn die Weltgemeinschaft auf der Klimakonferenz in Kopenhagen mehr beschließen sollte, als im Augenblick zu befürchten ist, es wird weit hinter dem zurückbleiben, was eigentlich notwendig ist. Mindestziele sind:
Stellungnahme vom Dezember 2008
Die NaturFreunde Düsseldorf nehmen erfreut zur Kenntnis, dass
sich alle Fraktionen im Düsseldorfer Rat gegen den Bau eines neuen
Kohleblocks im Kraftwerk Lausward ausgesprochen haben. Als letzte Fraktion
lehnte nun auch die CDU in Düsseldorf das Vorhaben ab, weil, so ihre
Begründung, der Bau eines neuen Kohleblocks eine jahrzehntelange Bindung
an die Kohle und damit eine Absage an mögliche Zukunftstechnologien
bedeute, die wesentlich umweltfreundlicher und wirtschaftlicher sein
könnten.
Damit haben die Ratsfraktionen die Interessen des Umweltschutzes und auch der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger über die Profitinteressen der EnBW gestellt. Die vom Aktionsbündnis "Sauberer Strom am Rhein" ASTR(H)EIN, dem sich auch die NaturFreunde Düsseldorf angeschlossen haben, zusammen getragenen Argumente gegen die Errichtung des Kohleblocks haben zu einer Meinungsbildung in der Düsseldorfer Politik beigetragen, die noch vor einigen Monaten in dieser Eindeutigkeit nicht denkbar war.
Die NaturFreunde Düsseldorf fordern die Stadtwerke Düsseldorf und ihre Mehrheitsaktionäre EnBW auf,
Stellungnahme vom Mai 2008
NaturFreunde fordern Moratorium für Agrosprit
Der Anbau von so genannter Biomasse als Treibstoff für
Fahrzeuge, zur Gaserzeugung oder als Rohstoff hat zu erheblichen Problemen beim
Klimaschutz, für die Artenvielfalt und die Bodenqualität
geführt. Agrosprit kann die zunehmende Knappheit an fossilen
Energieträgern nicht ausgleichen, kann jedoch gleichzeitig die
Ernährungssicherheit und gewachsene soziale Strukturen zerstören.
Dies gilt insbesondere für die importierte Biomasse aus
Entwicklungsländern.
Die deutschen NaturFreunde fordern gemeinsam mit vielen europäischen Umweltorganisationen ein Moratorium für die Förderung von Agrotreibstoff aus Monokulturen in der EU und für den Import von Agrotreibstoff bzw. den dazu verwendeten Rohstoffen aus großflächigem Anbau in den Entwicklungsländern. Von einem Moratorium nicht betroffen sind Biosprit aus Abfall, wie zum Beispiel gebrauchtes Pflanzenöl oder Biogas aus Gülle, Festmist, Klärschlamm, Schlachtabfällen, Haus- und Industriemüll, Stroh und Holzabfällen oder Biomasse, die von lokalen Gemeinschaften nachhaltig angebaut oder geerntet wird.
Ein Moratorium für die
Förderung der Massenproduktion von Agrosprit und den Handel damit
könnte die Entwicklung von wirklich nachhaltigen Bioenergie-Strategien
fördern, um lokale Gemeinschaften zu unterstützen, die Ernährung
zu erträglichen Preisen zu sichern, die Zerstörung weiterer
Regenwälder und Feuchtgebiete zu verhindern und die Vertreibung der
ländlichen Bevölkerung in vielen Regionen der Entwicklungsländer
zu stoppen.
Die NaturFreunde sehen in der energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe (Biomasse) eine Möglichkeit, die klimaschädliche Nutzung von fossilen Brennstoffen schrittweise zu reduzieren. Sie fordern jedoch von der Politik auf allen Ebenen, dass der Anbau und die Nutzung von Biomasse nicht zu Lasten von Natur und Umwelt gehen. Deshalb muss bei der finanziellen Förderung und beim Import von Biomasse der strenge Maßstab der Nachhaltigkeit angelegt werden.
Für den Anbau von so genannten Energiepflanzen müssen folgende ökologische Mindestkriterien gelten:
Für den Anbau in der EU selbst müssen in den Kriterienkatalog für die Zertifizierung außerdem Bestimmungen aufgenommen werden, die den Naturhaushalt, die biologische Vielfalt und das Landschaftsbild schützen. Dazu gehören u.a. die konkrete Voraussetzung einer mindestens dreigliedrigen, flächenspezifischen Fruchtfolge und eine ausgeglichene Humusbilanz.
Beim Import von Biomasse in die EU muss zuvor sichergestellt werden, dass für die Zertifizierung von Agrotreibstoffen die Verdrängung von Kleinbauern und der Grundnahrungsmittelproduktion, sowie Landvertreibungen und die weitere Konzentration von Landbesitz ausgeschlossen werden. Bei der Produktion von Agrotreibstoffen müssen die Bestimmungen der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) beachtet werden. Darüber hinaus dürfen keine nachwachsenden Rohstoffe aus Ländern mit Gewaltkonflikten zertifiziert und importiert werden.
Das alles kann bis heute jedoch nicht
gewährleistet werden. Die EU kann bisher weder die Folgen für die
örtliche Nahrungsmittelversorgung, noch für die Landverteilung und
die Wasserressourcen berücksichtigen. Eine Abstimmung mit den Interessen
der indigenen Völker ist unwahrscheinlich. Und in den meisten Ländern
fehlen die administrativen Voraussetzungen für die Umsetzung eines
Monitorings zur Einhaltung der Kriterien oder für die Verfolgung von
Verstößen dagegen.
Eine Ausweitung der Anbaufläche von Biomasse darf auf keinen Fall direkt oder indirekt zu einer Zerstörung der letzten intakten Urwälder, der Torf-Moorwälder oder anderer Waldflächen führen, weil dies in erheblichem Umfang zusätzliches CO2 freisetzen würde. Eine negative CO2- Bilanz darf nicht auch noch von der EU gefördert werden.
Diese Forderung wurde vom Bundeskongress der NaturFreunde Deutschlands vom 14.-16.3. in Mannheim verabschiedet.
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