Einige gelungene Veranstaltungen der letzten Zeit

Auf dieser Seite wollen wir Berichte und Fotos von Veranstaltungen veröffentlichen, die wir besonders gelungen finden - als Erinnerung, für diejenigen, die dabei waren und als Anregung für andere.

Südafrikatag am 18.04.2010
"Hötter Erinnerungen" am 21.03.2010
NaturFreunde-LiteraturCafé: "Das Stigma - Edelweiß-Pirat" von Paulus Buscher am 28.02.2010
Verlorene Landschaftsstrukturen - verlorene Schmetterlinge: Vortrag von Prof. Dr. Kunz am 06.11.2009
Bergwanderfreizeit „Slowakisches Paradies und Hohe Tatra“ vom 25.9. bis 11.10.2009
Ein Tag in der Steinzeit am 20.06.2009
Frankreichtag im Naturfreundehaus am 29.03.2009
Kabarettiges mit KARo am 14.02.2009
Weitere Veranstaltungsberichte
 

Kabarettiges mit KARo am 14.02.2009

Anne Becher-Hülshoff und Karl DrossTucholsky und Konsorten: aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zwar, aber immer noch zeitlos aktuell. Und so lockten KARo fast 60 Besucherinnen und Besucher ins Naturfreundehaus, um eine literarisch-musikalisch-politische Revue vom feinsten zu geniessen.

Mit ihren Liedern und Texten hatten Karl Dross (Gesang und Rezitation), Anne Becher-Hülshoff (Gesang und Rezitation) und Roger Krempe (Klavier, Gesang und Rezitation) den Geschmack des Publikums getroffen. Sei es Tucholskys Lied von den Karrieren, die allzuoft durch den Hintern der Vorgesetzten gehen, seine Analyse der politischen Situation im Song "Einigkeit und Recht und Freiheit" oder die Sage vom großen Krebs, in dem Walter Mehring vor dem aufkommenden Faschismus warnt: Gesellschaft und Politik der Weimarer Republik wurden auf künstlerische Art wieder lebendig.

Der RevoluzzerErich Mühsam erzählt in seinem Lied "Der Revoluzzer" (das er seinerzeit der deutschen Sozialdemokratie widmete) von den inneren Konflikten eines Revoluzzers zwischen seiner gefährlichen Revoluzzerei und dem Zivilberuf als Lampenputzer: denn selbstverständlich dürfen bei all dem Revoluzzen seine geliebten Lampen keinen Schaden nehmen.

Roger KrempePassend zum Valentinstag hatten die drei Künstler aber auch eine ganze Reihe Liebeslieder und -gedichte mitgebracht: so die Lieder "Singt eener uff'n Hof"oder "Die Nachfolgerin" von Tucholsky oder die Texte "Sachliche Romanze" von Kästner und "Stationen", wieder von Tucholsky. Und dass - und vor allem wie - es nach dem Happy End weitergeht, schilderte Tucholsky in seinem Lied "Danach". Eine Liebe anderer Art schließlich wurde besungen in Tucholskys Lied "Mutters Hände".

Auch der Humor kam nicht zu kurz: so philosophierte Kurt Tucholsky über den Mensch als solchen ("Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten zu Klumpen geballt sein Leben verbringt. Jeder Klumpen haßt die andern Klumpen, weil sie die anderen sind, und haßt die eignen, weil sie die eignen sind. Den letzteren Haß nennt man Patriotismus"). Der Seemann Kuddel Daddeldu gibt in Ringelnatzens Märchen seine Version vom Rotkäppchen zum Besten. Und Erich Kästner erzählt in seinem Lied das tragische Schicksal eines notorischen Pechvogels: "Wenn irgendwo 'ne Tür zufällt, hab ich die Finger drin".

Alles in allem durften die Zuschauerinnen und Zuschauer eine vergnügliche Zeitreise unternehmen, und auch wenn manchem Literaturinteressierten der eine oder andere Text bereits bekannt war, so begeisterte die gekonnte Art des Vortrags.

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Frankreichtag am 29.03.2009

Frankreich - das ist gutes Essen und leckerer Wein, das sind Chansons und Chateaux, das ist Genuss und Savoir vivre. Und an all dem konnten die etwa 80 Besucherinnen und Besucher an diesem Samstag im Naturfreundehaus teilhaben.

Mit Spezialbrillen wird das Bild dreidimensionalDen Anfang machten Rolf und Monika Niggemeyer, die uns die Schlösser der Loire dreidimensional präsentierten. Zwei Bilder im Augenabstand aufgenommen und parallel auf die Leinwand projeziert sowie eine Spezialbrille, die mit Polarisationsfilter jedes Auge sein eigenes Bild sehen lässt, erzeugen bei den Betrachtern ein dreidimensionales Bild im Kopf - und so kommen die architektonischen Feinheiten der Schlösser besonders gut zur Geltung. Natürlich durften im Vortrag die bekannten und von vielen Touristen besuchten Schlösser Chambord und Chenonceaux nicht fehlen, aber auch eine Vielzahl von kleineren und weniger besuchten Schlössern präsentierten die beiden Fotografen. Viele Details gab es zu entdecken, angefangen vom Mobiliar und Geschirr über den Wandschmuck mit Teppichen, Bildern oder Jagdtrophäen bis hin zu alten Fahrzeugen oder Waffen oder der liebevollen Gestaltung der Gärten. Schauspieler oder Schaufensterpuppen zeigten überall in historischen Kostümen, wie es damals am Hofe zuging - in der Küche, bei Empfängen oder beim Lustwandeln im Garten. Aber nicht nur Schlösser bekamen wir zu sehen, mindestens genau so reizvoll war ein Mühlenweg mit seinen etwa zehn alten Wassermühlen oder die Stadt Orleans. Und natürlich - das darf bei Rolf Niggemeyer nicht fehlen - gab es auch das ein oder andere Insekt in Nahaufnahme zu sehen, besonders in 3-D ein stets beeindruckender Anblick.

Essen und Trinken á la francaiseNach so viel Kultur kommt natürlich langsam der Appetit, und so konnten die Gäste sich an einem Ratatouille, einem südfranzösischen Gemüseeintopf, erfreuen. Über dreißig Kilo Tomaten, Paprika, Zucchini, Auberginen und Zwiebeln hatte die Familiengruppe am Vortag kleingeschnitten, um daraus diese provencalische Spezialität zu kochen. Dass das Ergebnis durchaus gelungen war, davon zeugten die zahllosen Lobesbekundungen, die das Küchenteam erhielt. Und wer auch bei den Getränken auf französische Spezialitäten aus war, der hatte die Auswahl zwischen einem Rotwein aus dem Languedoc, einem Weißwein aus dem Südwesten Frankreichs oder einem Pernod, dem typisch französischen Anislikör.

Lothar MeunierSo gestärkt und vielleicht auch nach einem kleinen Spaziergang in der langsam sich zeigenden Sonne warteten die Gäste dann auf den musikalischen Teil der Veranstaltung. Schon der Soundcheck zeigte, dass "French Connection" es im Nu verstand, französisches Lebensgefühl in den Saal des Naturfreundehauses zu bringen. Lutz StrengerLothar Meunier am Akkordeon und Lutz Strenger am elektronischen Piano spielten und sangen Stücke aller großen Chansonniers: Edith Piaf war natürlich mit einer ganzen Reihe von Liedern vertreten, genau so Charles Aznavour oder Gilbert Becaud. Jeweils mit einer kleinen Einführung stellten die Künstler die Chansons vor, die sie dann sehr gekonnt präsentierten. Eine ganze Reihe bekannter Stücke erklangen so im Naturfreundehaus, "La vie en rose" oder "L'important c'est la rose", ruhigere Stücke wie "La mer" genauso wie heiter-schwungvolle Stücke wie die "Champs Elysses" oder die "Ballade des gents heureux".

French ConnectionAuch die so typisch französischen Akkordeonstücke, die Musette im Sechs-Achtel-Takt, gaben French Connection zum Besten. Überraschend doch für viele, dass die Musette ursprünglich gar nicht auf dem Akkordeon gespielt wurde, sondern auf einem Dudelsack, und dass erst italienische Einwanderer das Akkordeon in Frankreich populär machten. Und erst in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts trat die Musette ihren Siegeszug durch die Salons von Paris an, bevor dann nach dem zweiten Weltkrieg modernere Rhythmen sie wieder in den Hintergrund drängten.

Natürlich durften Lothar Meunier und Lutz Strenger nicht ohne Zugabe gehen, aber schließlich fand auch dieser gelungene Tag ein Ende. Und so bleibt nach dem Genuss der französischen Lebensart wieder die Freude auf eine nächste Veranstaltung, bei der wieder ein Land im Zentrum kultureller Vielfalt steht.

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Ein Tag in der Steinzeit am 20.06.2009

Das Bearbeiten von Specksteinen kam besonders gut anFür einen Nachmittag zurück in die Steinzeit - das konnten etwa 30 Kinder mit ihren Eltern am 20. Juni im Naturfreundehaus erleben. Auch wenn natürlich nicht alles vollkommen authentisch war, so boten die NaturFreunde Düsseldorf in Zusammenarbeit mit den beiden ehrenamtlichen Archäologen Gaby und Peter Schulenberg den Gästen interessante Einblicke und Erfahrungen über das Leben unserer Vorfahren.

Den größten Zuspruch erfuhr das Basteln von Amuletten aus Speckstein. Auch wenn die Werkzeuge zur Bearbeitung der Steine eher moderner Natur waren, der Kreativität und dem Geschick der Kinder und Jugendlichen tat dies keinen Abbruch. Vögel, Raubtierzähne, geometrische Figuren und sogar ein Ring wurden aus den Specksteinen herausgearbeitet und schmückten, an eine Kordel gebunden, den Hals der jungen Kunsthandwerker.

Das Mahlen von Mehl ist anstrengendEbenfalls kreativ ging es im steinzeitlichen Malworkshop zu: mit spitzen Steinen konnten die Kinder steinzeitliche Motive in Schiefertafeln einritzen. Eine Fülle von Vorlagen alter Höhlenmalereien gab den Kindern Anregungen für das eigene Werk, vielfach entstanden aber auch ganz eigene Motive.

Wie mühsam es in früheren Zeiten war, für die Ernährung zu sorgen, konnten die Kinder und ihre Eltern beim Mahlen von Weizenmehl erfahren. Zwischen zwei Steinen wurde eine Handvoll Weizenkörner zerrieben, und es bedurfte schon einiger Zeit und Anstrengung, um sie schließlich zu Mehl vermahlen zu haben. Alternativ gab es auch Erdfarbe zum Vermahlen und anschließenden Vermalen, und so schmückten diverse "Kriegsbemalungen" die Gesichter von Kindern und Elternteilen.

Die Klinge wird in das Holzstück eingepasstAber auch das Herstellen von Werkzeug war nicht weniger mühsam, und selbst wenn wir die steinzeitlichen Klingen bereits vorgefertigt zur Verfügung stellten: sie in einen entsprechenden Holzgriff einzupassen um einen Schaber zu erhalten, erforderte einige Arbeit. Mit der Klinge mussten die Kinder in das Holzstück eine Kerbe einschneiden, die breit und tief genug ist, um die Klinge aufnehmen zu können. War die Kerbe fertig, so konnte die Klinge darin befestigt werden - allerdings der Einfachheit halber mit Holzleim statt mit einer Harzmischung wie in der Steinzeit.

Gaby und Peter Schulenberg beim ErklärenNach so viel eigener Erfahrung konnten die Kinder dann Gaby und Peter Schulenberg gespannt lauschen, wie man in der Steinzeit so lebte. Eine ganze Reihe von Anschauungsobjekten hatten Gaby und Peter mitgebracht, und so konnten die Kinder sich auch mal in eiszeitliche Fellmode werfen, mit Feuersteinen Funken sprühen lassen oder gemeinsam überlegen, was die Steinzeitmenschen so aßen und wie sie auch im Winter an die notwendigen Vitamine kamen. Und natürlich gab es auch einige Fragen der Kinder, die sie auf verständliche Weise beantwortet bekamen.

Stockbrot schmeckt allenDen Abschluss des Tages bildete dann der kulinarische Teil. Allerdings verzichteten wir auf original steinzeitliche Kost, und den Inhalt von Mammutmägen, mit denen die Menschen der Steinzeit im Winter ihren Vitaminbedarf deckten, hätten die meisten wohl ohnehin verschmäht. Dafür gab es Steaks und Würstchen vom Grill, und rings um einen Feuerkorb sitzend konnten Kinder und auch Erwachsene ein Stockbrot über der Glut rösten.

Einen passenden Rahmen für die Veranstaltung bot die von der Gruppe Natur- und Heimatkunde erarbeitete Ausstellung "Was übrig bleibt - Menschenspuren, Pflanzenspuren", die im Untergeschoss des Naturfreundehauses zu sehen war. Knochen und Werkzeuge aus der Steinzeit waren ebenso in der Ausstellung vertreten wie eine Übersicht, ab wann welche Pflanze nachweislich den Speisezettel der Menschen im Rheinland bereicherte. Mitglieder der Gruppe Natur- und Heimatkunde boten für die Interessierten auch kurze Führungen durch die Ausstellung an.

Kurzum - es war ein spannender und kurzweiliger Nachmittag am Naturfreundehaus, der den Besucherinnen und Besuchern viel Spaß gemacht hat. Und einiges Wissenswerte über die Steinzeit ist sicher auch hängen geblieben. Vielleicht bis auf ein nächstes Mal?

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Bergwanderfreizeit „Slowakisches Paradies und Hohe Tatra“ vom 25.9. bis 11.10.2009

„Wenn das das Paradies sein soll, möchte ich lieber in der Hölle sein!“ - das hatte vor 2 Jahren unser Tourenleiter Michael Hollstein von einem Bergwanderer zu hören bekommen. Wir 6 Teilnehmer der diesjährigen Bergwanderfreizeit finden das Paradies spannend: düster, exotisch, aufregend, abwechslungsreich - die Hölle stelle ich mir eher langweilig vor! Das Slowakische Paradies ist eine mächtige Kalkgebirgsscholle im östlichen Teil der Slowakei mit engen Talschluchten, Wasserfällen bis 60 Meter hoch und Karsthöhlen.

Nach den Regeln des sanften Tourismus sind wir mit der Bahn von Düsseldorf über Prag bis Spisska Nova Ves - Zipser Neustadt - problemlos angereist. Von unserem Hotel können wir die Klettertouren durch die klammartigen Schluchten des Paradieses bachaufwärts sofort beginnen. Beim Balancieren über rutschige Baumstämme, schräggetretene Fußgitter, schwankende Brücken und beim Erklettern hoher Leitern ist der Gleichgewichtssinn gefordert. Unvermeidlich sind einige Ausrutscher in das zum Glück flache Wasser. Dankbar begrüßen wir die teilweise vorhandene Absicherung schwieriger Stellen durch gespannte Ketten.

Wir beobachten Wasseramseln, Schwarzspechte, ein großer Feuersalamander arbeitet sich durch´s Bachbett und ein Fuchs mit mächtigem, buschigen roten Schwanz springt über unseren Weg. Alles leuchtet in der Herbstsonne, pinkfarbene Pfaffenhütchen, blaue Glockenblumen, reife Äpfel, Birnen, Schlehen - Obst brauchen wir nicht zu kaufen! In den Nächten hören wir die Brunftschreie von Hirschen, in der paradiesischen Woche besichtigen wir die Zipser Burg und ihre Erdmännchen und finden eine alte, 1299 gebaute Karthäuserklosteranlage. Bei einer Wanderung eine merkwürdige Spur im Schlick - wirklich die Tatze eines Bären? Das Heulen eben - waren das wirklich Wölfe?

Nach einer Woche wechseln wir das Quartier: ein Kleinbus bringt uns ca. 50 km weit nordwestlich in die Hohe Tatra, deren Gipfel wir vom Paradies aus in der Abendsonne leuchten sahen. Am Abend vor unserem Transfer hatten uns zwei Bergsteiger vom „Club slowakischer Touristen“, Mitglied der Naturfreunde Internationale, besucht und uns Touren vorgeschlagen.

Die Hohe Tatra hat mit der Gerlachspitze, 2655 Meter hoch, die höchste Erhebung der Karpaten. Wir wohnen im einfachen Hotel „Popradske Pleso“, ca. 1500 Meter hoch direkt an einem Bergsee. Auch in dieser zweiten Woche haben wir gutes, teilweise sehr warmes Wetter.

Bereits am ersten Tag besteigt unsere Gruppe den nahegelegenen Gipfel des Risy, 2499 Meter hoch - allerdings ohne Karin und mich, da Karin bei Beginn des Aufstieges stürzt und sich den rechten Arm bricht. Am Gipfel des Risy verläuft genau die Landesgrenze, es ist möglich, mit einem Bein in der Slowakei und dem anderen in Polen zu stehen. Die Gipfelerstürmer haben klaren Blick bei herrlicher Sonne und blauem Himmel weit ins Zipser Land hinein, nur leider ist es, weil Sonntag, am Gipfel etwas bevölkert!

Mit ihrem eingegipsten Arm erscheint Karin am nächsten Morgen tapfer zum Frühsport. Wir gehen an diesem Tag, ohne sie, den Höhenweg „Magistrale“ auf der Südseite der Berge und steigen vorher von unserem Hotel auf ca. 2000 Meter hoch in den Sattel. Links von uns die schroffen Gipfel, rechts liegen die Orte in der Ebene, häufig Plattenbausiedlungen. Erschüttert sehen wir die vom Sturm verwüsteten Waldgebiete. Gegen Abend erreichen wir unsere Bahnstation Stary Smokovec, kurz vor dem Ziel stürzt Michael auf einer sandigen, glatten Stelle heftig und schmerzhaft auf die linke Seite und zieht sich eine schwere Rippenprellung zu. Auch für ihn heisst es wie für Karin: Nur noch Spaziergänge!

Das schüttelt unser Programm gehörig durcheinander! Nach dem vorgesehenen Ruhetag gehen nur Regina und Hartmut auf die geplante Hüttenwanderung, Karin und Michael machen kurze Gänge und Hilde und ich wandern den blau gekennzeichneten Weg nach Norden, steigen zwischen Fichten, Zirben und vereinzelten Krummholzkiefern allmählich aufwärts, passieren die Waldgrenze, durchschreiten ein Bachtal und überqueren grasige Hänge, aus denen immer mehr Gesteinsbrocken auss der Grasnarbe schauen. Wir gelangen in den 1946 Meter hoch gelegenen Kessel an den höchsten, von Bachforellen bevölkerten Bergsee der Slowakei, Vel´ke Hincovo pleso, der Überrest eines Gletschers, 53 Meter tief. In Serpentinen steigen wir zum Sattel, ca. 2100 Meter hoch, auf und erklettern den Vorgipfel des Koprovsky stit, ca. 2500 Meter hoch. Leider lassen die Wolken nur den Blick in den unten freiliegenden Talkessel mit Bergsee zu.

Am letzten Tag unserer Reise besichtigen wir die über drei Kilometer lange Belianska-Höhle, der Himmel ist bewölkt, Nebel steigt auf. Nachmittags klart es kurz auf, Hilde, Karin und ich steigen noch einmal auf den östlich gelegenen Sattel vor der Magistrale, ca. 2000 Meter hoch: Wir sind über den Wolken, rot blinkt die untergehende Sonne durch Nebeldunst.

Die Rückreise klappt problemlos, wir kommen pünktlich frühmorgens in Düsseldorf an. Wir bedanken uns bei Michael für die hervorragend organisierte lange Reise und die tolle Tourenvorbereitung.

Jetzt haben wir die Mühen der Ebene vor uns - es fällt schwer, wieder in den Alltag abzutauchen. Hilde schreibt mir am 21.10.: „Ich bin in Gedanken noch hauptsächlich im Slowakischen Paradies und der Hohen Tatra. Und am liebsten würde ich sofort wieder Rucksack und Stiefel schnüren und losziehen.“

Volker Götz

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Verlorene Landschaftsstrukturen - verlorene Schmetterlinge

Vortrag von Prof. Dr. Werner Kunz am 6.11.2009

Ein entschiedenes Plädoyer für mehr Offenland hielt Prof. Dr. Werner Kunz von der Universität Düsseldorf vor etwa 35 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern im Naturfreundehaus Gerresheim. Wollen wir den Rückgang der Vogel- und Schmetterlingsarten in Deutschland stoppen und wieder zu einer größeren Artenvielfalt gelangen, müssen wir auch mit gewissen alten Denkstrukturen brechen, so Kunz in seinem teilweise auch provokativen Vortrag.

Die Grosstrappe - in Deutschland mittlerweile selten gewordenZunächst gab der Düsseldorfer Wissenschaftler einige illustrative Beispiele für den Rückgang von Vogel- und Tagfalterarten in den letzten 100 Jahren. Schlangenadler, Kornweihe, Trappe oder Wiedehopf sind nur einige der Vogelarten, die vor 100 Jahren in Deutschland noch häufig zu finden waren und heute hier als fast ausgestorben gelten.

Zwar sind im Rheinland von 1990 bis 2000 75 Vogelarten häufiger geworden und nur 33 Vogelarten seltener. Dass so viele Vogelarten häufiger geworden sind, liegt neben der Zunahme von "siedlungsnahen" Vögeln wie Meisen sowie dem vermehrten Zuzug von Neozoen wie dem Halsbandsittich vor allem an der eingeschränkten Bejagung von Reihern, Greifen oder Entenvögeln. Mit Ausnahme der waldliebenden Arten wie Spechten oder Eulen kann die Zunahme nicht auf eine Verbesserung der Biotope zurückgeführt werden. Demgegenüber ist der Rückgang ihrer Biotope aber die Hauptursache für den Schwund der seltener gewordenen Vogelarten.

Das Schachbrett - in Düsseldorf kaum mehr zu sehenDa bei den Schmetterlingen der Effekt eines Rückgangs der Jagd nicht zu beobachten ist, fällt hier das Verschwinden der Arten noch weit drastischer aus. So gab es - wie man aus alten Sammlungen weiß - um 1900 noch 64 Tagfalterarten in Düsseldorf, während es 2000 nur noch 27 Arten waren. In schönen Aufnahmen, die er im ungarischen Bükk-Gebirge gemacht hat, stellte Prof. Dr. Kunz einige dieser bei uns mittlerweile verschwundenen Arten vor: Schachbrett, Feuerfalter, Kaisermantel, der kleine Schillerfalter oder der große Eisvogel, die größte Tagfalterart Mitteleuropas.

Entstanden sind diese Aufnahmen im Bükk-Gebirge fast alle auf Waldwiesen und Trockenhängen, die es dort noch reichlich gibt. Denn dies - so führt Kunz im zweiten Teil seines Vortrags aus - ist die Hauptursache für den Rückgang vieler Vogel- und Schmetterlingsarten: offene Landschaften mit Trockenrasen, Sand und Fels, wie wir sie auf alten Stichen oder Gemälden unserer Region noch finden können, nehmen bei uns immer mehr ab. Wälder gibt es immer reichlicher ...Die meisten Naturflächen sind heute mit Bäumen, Büschen und hohem Gras bewachsen, sind dadurch zu kühl und feucht für viele Schmetterlingsarten und nehmen Wiesenbrütern die Chance, ihre Feinde rechtzeitig zu erkennen. Hinzu kommt, dass die Wälder nicht mehr wie die einstigen zur Beweidung und Holzgewinnung genutzten Gemeindewälder licht sind, sondern immer dichter werden und kein Licht mehr an den Boden gelangen lassen.

Anders als z.B. der tropische Regenwald, dessen dünne Humusschicht nach einer Rodung unwiederbringlich verloren ist, wachsen in Mitteleuropa freie Flächen ohne menschlichen Eingriff schnell mit Büschen und Bäumen zu. Begünstigt wird dies zusätzlich durch eine immer stärkere Stickstoffeintragung auch aus der Luft, so dass Stickstoff liebende Pflanzen auch einstmals magere Böden überwuchern können und die eigentlich dort wachsenden Pflanzen verdrängen.

Nun kann man den zunehmenden Waldreichtum in Deutschland - tatsächlich haben wir heutzutage mehr Wälder in Deutschland als jemals zuvor in geschichtlicher Zeit - sicher aus vielerlei Gründen begrüßen. Für die Erhaltung der Artenvielfalt aber ist die Zunahme der Waldflächen kontraproduktiv.

Was kann man also tun, um die zunehmende Vergrasung, Verbuschung und Verwaldung in den Griff zu bekommen, um gewissermaßen "die Natur vor sich selbst zu schützen". Sicherlich ist es naiv zu glauben, wir könnten flächendeckend zu den ursprünglichen Produktionsweisen in der Landwirtschaft zurückkehren, auch wenn es hier sicher vereinzelte positive Ansätze gibt. Die Tendenz geht jedoch eher in Richtung weiterer Technisierung, und auch in Regionen Europas mit noch erhaltenen bäuerlichen Traditionen wird durch die EU-Osterweiterung und die Einführung landwirtschaftlicher Normen ein Strukturwandel nicht ausbleiben.

... offene Flächen werden dafür seltener.Ein guter Ansatz, Offenflächen zu erhalten und auch auszuweiten, ist die mancherorts bereits praktizierte Beweidung solcher Flächen mit Schafen und Ziegen, aber auch mit Pferden oder ursprünglichen Rinderarten. Diese halten aufkommende Verbuschung kurz und unterstützen effektiv die in die gleiche Richtung gehenden Arbeitseinsätze von Naturschutzverbänden.

Durchaus in provokativer Absicht zeigte Professor Kunz auch Bilder von Truppenübungsplätzen, Flugplätzen oder Braunkohletagebau als Beispiele, wo seltene Pflanzen und Tiere noch die notwendigen Offenflächen finden. Sicherlich können wir uns aus anderen Gründen solche Einrichtungen nicht wünschen, und im Gegensatz zu Offenräumen früherer Art sind sie absolut nicht ästhetisch. Aber wir müssen ein Bewusstsein erlangen, dass auch "zerstörte" Flächen einen positiven Wert haben können. Förderung der Biodiversität ist nicht allein die Bewahrung und Konservierung von Strukturen, viele Tier- und Pflanzenarten benötigen geradezu Katastrophen wie Brände, Überschwemmungen und Stürme, um auf lange Sicht überleben zu können.

Wollen wir also auch in Zukunft noch Artenvielfalt erleben, so müssen wir uns von einer einseitigen Förderung und Erhaltung des Waldes als Ziel des Naturschutzes verabschieden, wie sie sicher auch aus dem "deutschen Gemüt" zu erklären ist. Nur mit auch unpopulären Maßnahmen lassen sich die offenen Landschaftsstrukturen schaffen, die für die Erhaltung vieler Arten nötig sind.

Ein solch engagierter Vortrag rief natürlich anschließend eine lebhafte Diskussion unter den anwesenden Naturfreunden und Vertretern anderer Umweltverbände hervor. So wurde vielfach ein zu starrer und restriktiver staatlicher Naturschutz bemängelt, der keine dynamischen Entwicklungen berücksichtigt. Sicherlich ist unsere Umwelt ein äußerst komplexes Gebilde, und die Grenze zwischen übermäßiger Belastung, die zu unwiderruflicher Zerstörung führt, und Eingriffen, die die Entwicklung von offenen Landschaftsstrukturen fördern, ist fließend. Nur starre Regeln werden dem aber nicht gerecht, und insofern ist auch beim Naturschutz Flexibilität und Umdenken gefragt: nicht immer ist die naheliegendste oder populärste Maßnahme auch die beste.

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NaturFreunde-LiteraturCafé

"Das Stigma - Edelweiß-Pirat" von Paulus Buscher am 28.02.2010

Vor über 40 interessierten Zuschauern las der Wuppertaler Naturfreund Wolfgang Weil am 28. Februar im Naturfreundehaus aus dem Buch "Das Stigma - Edelweiß-Pirat" von Paulus Buscher.

Wolfgang Weil bei der LesungBuscher stieß 1936 im Alter von 8 Jahren zur Wuppertaler Gruppe der "d.j.1.11" (Deutsche Jungenschaft vom 1.11.1929), die sich zur Bündischen Jugend zählte. Der Name "Edelweiß-Piraten" wurde nur von Gruppen am Rande der bündischen Jugend selbst benutzt, vielmehr haben die Nazis diesen Begriff zur Diffamierung der bündischen Jugend aufgegriffen. Gleichwohl war das Edelweiß, als Zeichen des Lebens und Erkennungszeichen dieser Gruppierungen bewusst gegen das Todessymbol des Hakenkreuzes gesetzt.

Paulus Buscher schreibt von seinen ersten Fahrten, mit Zelt und Lagerfeuer-Romantik, Liedern und Literaturrezitationen, enger Naturverbundenheit und Gemeinschaftsgefühl. Gerade dieses Wir-Gefühl als Gegensatz zum Egoismus und der Entfremdung in der Industriegesellschaft war es, was nicht nur die Wuppertaler Gruppe ausmachte.

Schnell aber wurde Paulus Buscher und seinen Freunden bewusst, was es heißt, sich gegen den Ungeist der nationalsozialistischen Gesellschaft zu stellen: immer häufiger wurden die Jugendlichen von der Hitlerjugend, der SA oder der Polizei angegriffen, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Mit Verhaftungen und Folter versuchte die Staatsmacht, die Jugendlichen einzuschüchtern.

Aber auch auf Seiten der Bündischen Jugend wurde der Widerstand gegen den Faschismus immer entschiedener: neben Solidaritätsaktionen mit Sinti und Roma oder Parolen an Wänden wurden auch Mitglieder der Hitlerjugend angegriffen, so dass sich zeitweise kein HJler mehr alleine auf die Straße traute.

Sehr plastisch schildert Paulus Buscher, wie die Staatsmacht immer brutaler vorging, je weiter der Krieg voranschritt, wie aber auch die Jugendlichen sich immer verzweifelter wehrten. In den letzten Tagen des Krieges schließlich kämpften sie an der Seite der anrückenden alliierten Armee in einem offenen Kampf gegen die Wehrmacht, um dem Grauen des Krieges und des Faschismus ein baldiges Ende zu bereiten. Von 13 Kameraden aus Buschers engerem Umfeld erlebten 11 dieses Ende nicht mehr mit.

Mit den ergreifenden Textpassagen und erläuternden Kommentaren verstand es Wolfgang Weil, nicht nur die Fakten aus der damaligen Zeit wiederzugeben, sondern auch die Atmosphäre lebendig zu vermitteln. Lieder der bündischen Jugend aus dieser Zeit rundeten den Vortrag gelungen ab, einen Vortrag, der ein oft vergessenes Thema eindrucksvoll ins Bewusstsein rief

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"Hötter Erinnerungen" am 21.03.2010

von links: Günter Bischoff, Artur Knab, Norbert ZiegertDas Naturfreundehaus platzte an diesem Sonntagnachmittag fast aus allen Nähten: während zur Einstimmung Bilder und Filme von der Gerresheimer Glashütte gezeigt wurden, strömten die Besucherinnen und Besucher in Massen herbei. Mehr als 100 Interessierte drängten sich schließlich im Saal des Hauses, als Matthias Möller im Namen der NaturFreunde Düsseldorf, der Initiative "Gerresheim Süd verbinden" und der Diakonie Gerresheim die Gäste und die mitwirkenden Zeitzeugen auf dem Podium begrüßte. Hildegard Düsing-Krems führte dann in das Thema und seine Hintergründe ein und machte deutlich, dass nicht mehr viel Zeit bliebe, um angesichts des hohen Alters mancher Zeitzeugen an deren Erinnerungen teilhaben zu können. So sind mehrere Zeitzeugen, die im letzten Spätsommer noch am Straßenfest in der Meistersiedlung teilnahmen, mittlerweile leider verstorben.

von links: Erna Pietraszek, Artur Knab, Hildegard Düsing-KremsZu Beginn der Veranstaltung erzählten die Zeitzeugen zunächst, welche Erinnerungen sie persönlich mit der Glashütte verbinden. So berichtete Erna Pietraszek, Bewohnerin der Meistersiedlung der Glashütte, wie sie es erreichte, dass bei Betriebsjubiläen die Hütte die Kosten für das Festsessen übernimmt: als nämlich der Direktor kam, um ihrem Mann zum Jubiläum zu gratulieren, lud sie ihn anstatt zu einem Festessen zum gemeinsamen Gang in die Werkskantine ein. Natürlich nahm dieser nicht an, und so fand dann die Feier mit den selbstverständlich vorbereiteten Speisen nur im Kreise der Kollegen statt.

Der ehemalige Betriebsrat Artur Knab erzählte aus seinen Kindheitstagen, die er gerne am Naturfreundehaus verbrachte, und von seinem Engagement als Ringkampf-Trainer für Kinder und Jugendliche.

Otfried ReichmannOtfried Reichmann, der wohl profundeste Kenner der Geschichte der Glashütte, berichtete von den Nachkriegsjahren in der Hütte. Zwar war entgegen mancher Behauptungen auch die Glashütte im Krieg von Bomben beschädigt worden, dennoch begann bereits im Juli 1945 wieder die Produktion - aufgrund des starken Bedarfs vor allem mit Flachglas für Fensterscheiben, das normalerweise gar nicht auf der Hütte produziert wurde. Für die Beschäftigten waren 20 Einkochgläser, die es 1946 für jeden gab, eine wichtige Hilfe zum Überleben in dieser Zeit, konnten sie doch auf dem Land oder auch in Holland gegen Lebensmittel getauscht werden oder zum Transport der Lebensmittel verwendet werden. Holzabfälle, die die Arbeiter günstig von der Hütte kaufen konnten, halfen, über die kalten Winter zu kommen. Und wo das nicht ausreichte, half man sich selbst, indem man Holzbretter in die damals noch offen durchs Werksgelände fließende Düssel warf, um sie außerhalb des Werks wieder einzusammeln.

Günter Bischoff, ebenfalls Betriebsrat in der Hütte, erzählte vom großen Zusammengehörigkeitsgefühl und der selbstverständlichen gegenseitigen Hilfe unter den Arbeitern. Auch als die ersten Italiener ankamen, wurden sie nach anfänglicher Skepsis in die Solidaritätsgemeinschaft der Hötter aufgenommen. Dieses Solidaritätsgefühl weiterzugeben ist für ihn wichtiger als das bloße Erzählen von Geschichten.

Volle Reihen im NaturfreundehausIn die gleiche Kerbe hieb Norbert Ziegert, der letzte Betriebsratsvorsitzende, als er an die Kämpfe um die Schließung der Hütte erinnerte. Trotz mancher verbalen Solidaritätsadressen kam von Seiten der Politik nur wenig Unterstützung, auch der Petitionsausschuss des Landtags beispielsweise antwortete nur lapidar, er werde sich der Sache annehmen, hätte zur Zeit aber viel anderes zu tun. Nachdrücklich forderte er die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Gerresheim, denn der beste Sozialplan für die Beschäftigten ist ein Arbeitsplatz. Es sei immer nur ein Märchen gewesen, so ergänzte Günter Bischoff, wenn den Arbeitern von der Werksleitung gesagt wurde, sie würden ihre Arbeitsplätze sichern, wenn sie auf dieses oder jenes verzichteten.

von links: Günter Bischoff, Norbert ZiegertMit diesen Ausführungen ging es sozusagen direkt über zum zweiten Schwerpunkt der Veranstaltung, nämlich der Frage, welche Perspektiven sich die Anwesenden für das Glashüttengelände vorstellten. Vor allem die Schaffung von Arbeitsplätzen, antworteten Norbert Ziegert und Günter Bischoff unisono, denn nur so können Einkommen geschaffen werden und die wirtschaftliche Situation so verbessert werden, dass das untere Gerresheim eine Zukunft hat. Und am besten ergreifen die Anwohner selbst die Initiative dazu, denn von offizieller Seite sei hier wenig zu erwarten. Zumindest nicht kurzfristig, ergänzte Otfried Reichmann, denn der Zeitplan für die Bebauung des Geländes bewegt sich im Rahmen von etwa 15 Jahren.

Auch die Frage der denkmalgeschützten Gebäude auf dem Glashüttengelände wurde angesprochen. Eine Nutzung der Gebäude komme wohl vor der weitgehenden Erschließung des restlichen Geländes kaum in Frage, schätzte Otfried Reichmann ein, und er hoffe, dass die Gebäude so lange erhalten blieben. Uwe Koopmann, ehemaliges Mitglied der Bezirksvertretung, stellte an die Anwesenden den Antrag, an die Verantwortlichen der Glashütte zu appellieren, dass die historischen Gebäude erhalten bleiben sollen und die notwendigen Investitionen hierfür getroffen werden. Die große Mehrheit des Publikums schloss sich diesem Antrag an.

Mit einem weiteren Film über die Glashütte schloss dieser äußerst interessante Nachmittag offiziell ab, in mehreren Einzelgesprächen wurden die Diskussionen jedoch fortgeführt. Und es war garantiert nicht die letzte Gelegenheit, die Geschichte der Glashütte und ihrer Beschäftigten aufzuarbeiten und zu dokumentieren.

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Südafrikatag am 18.04.2010

Zugegeben: es hätten etwas mehr als nur 65 Besucherinnen und Besucher sein dürfen, aber wer nicht da war, hat definitiv was verpasst auf unserem Südafrikatag im Naturfreundehaus.

Norbert BremenAm Vormittag nahm uns der Biologe Norbert Bremen auf eine Reise durch Südafrika mit - startend im Nordosten, quer durch das Land zur Südwestküste und dann entlang der Garden Route an der Küste. Sehr lebhaft und anschaulich erzählte Norbert Bremen, und wir erfuhren vieles, was in Reiseführern oder Fernsehdokumentationen so nicht zu sehen ist. So scheute er sich auch nicht, einmal zu zeigen, was man von den Tieren wirklich sieht im Normalfall - das ähnelte dann oft eher einem Suchbild. Trotz allem: beeindruckende Tieraufnahmen von Elefanten, Straußen, Löwen oder Gazellen, aber auch von Robben, Haien und Delphinen bekamen wir auch zu sehen. Und natürlich auch gelungene Pflanzenaufnahmen mit vielen exotischen Blüten. Aber auch hier gilt: weite Teile Südafrikas sind meist eher graubraun und unscheinbar, was die Vegetation angeht - um dann aber schlagartig zu ergrünen, wenn der Regen fällt.

Schöner anzuschauen sind daher oft die Gehege und Reservate, mit denen sich manche Farmer noch etwas zusätzlich Geld im Tourismus verdienen, aber auch die Gärten von Hotels oder auch Vergnügungsparks wie Sun City. Vergleicht man aber die Übernachtungspreise in solchen Anlagen mit dem durchschnittlichen Jahresverdienst eines schwarzen Südafrikaners (der ist in der Regel geringer), so kann einem aber auch schnell das Vergnügen vergehen. Und dennoch ist Südafrika für viele Bewohner der umliegenden Ländern schon so etwas wie das Paradies, entsprechend viele Flüchtlinge kommen ins Land und hoffen auf ihre Chance, zum Beispiel in der Tourismusbranche, im Bergbau oder in Fabriken.

Wie es im Bergbau zugeht und unter welch gefährlichen Bedingungen dort Diamanten gewonnen werden, konnte Norbert Bremen aus eigenem Erleben bei einer Besichtigungstour erzählen: von unten werden Sprengladungen in die diamanthaltigen Schlote angebracht, um mit einer Sprengung ein Nachrutschen des Pfopfens zu erreichen, derweil man in einem "sicheren" Raum unter Tage das Ergebnis abwartet.

Erdnusseintopf und RotweinKurzum - vieles und interessantes hatte Norbert Bremen zu erzählen, und wenn sich beim Publikum nicht langsam der Hunger gemeldet hätte, hätte der Vortrag auch noch eine Weile weiter gehen können.

SpringbockSo aber stand als nächster Punkt ein südafrikanischer Erdnusseintopf auf dem Programm: dieser vegetarische Eintopf aus Kohl, Mais, Kidneybohnen und Karotten, abgeschmeckt mit Erdnussbutter, Mangosaft und Kreuzkümmel und verfeinert mit frischen Erdnüssen begeisterte alle, die ihn probierten. Dazu gab es natürlich roten oder weißen südafrikanischen Wein und als besonderes Schmankerl noch "Springbock". Wer diesen Cocktail aus cremigem Amarula und grünem Pfefferminzlikör noch nicht getrunken hat, mag sich vielleicht nicht vorstellen können, dass das überhaupt zusammenpasst und schmeckt. Tut es aber, und wie!

Neben Essen und Trinken ließ sich die Mittagspause aber auch gut nutzen, um sich am Stand des Vereins "Vezuthando" über ihr Projekt "Zimele" zu informieren, eine Initiative für Frauen, die sich zu Handwerksgruppen zusammenschließen und so selbständig Einkommen generieren. Zimele heißt in der Sprache der Zulu soviel wie "Auf eigenen Beinen stehen" - und das ist das Hauptanliegen dieses Projekts, das seit 2006 vor Ort in den ländlichen Regionen Kwa-Zulu Natals arbeitet. Neben Informationen gab es auch einige Produkte wie Taschen oder Perlenarmbänder zu erwerben, mit deren Verkauf das Projekt unterstützt wird.

Oder man genoss das schöne Wetter im Freien, bis die Gruppe Togovio traditionelle südafrikanische Musik, aber auch bekanntere Stücke wie "The Lion sleeps tonight" spielte. Unterstützt von vier Trommlern begeisterte die Sängerin mit ihrer tollen ausdrucksvollen Stimme, gefühlvolle Balladen wechselten sich ab mit wilden Trommeleinlagen. Da die Stimmung, die die Gruppe rüberbrachte, sich ohnehin nur schwer beschreiben lässt, lassen wir einfach noch ein paar Bilder sprechen:

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